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Lachszucht Wolftal eröffnet
Nach 80 Jahren wieder Lachszuchtanlage in Baden-Württemberg
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| ![]() Scheckübergabe durch Hansgrohe AG ![]() Blick auf die Anlage |
Landwirtschafts- und Umweltministerium loben ehrenamtliches Engagement der Fischerei
Die ökologische Verbesserung der Gewässer schafft die Voraussetzung für die Rückkehr der Wanderfische nach Baden-Württemberg. In einigen badischen Rheinzuflüssen, wie der Kinzig und der Murg, konnten sich schon wieder einige Lachse fortpflanzen. Zur Unterstützung des neuen Bestandsaufbaus hat der Landesfischereiverband Baden-Württemberg bei Oberwolfach eine Lachszuchtanlage in Betrieb genommen.
Dem Ziel, den Atlantischen Lachs wieder heimisch zu machen, ist Baden-Württemberg mit der neuen Lachszucht Wolftal ein großes Stück näher gerückt. In einer wieder hergestellten, ehemaligen Teichanlage tummeln sich nun Tausende von Lachsen, darunter auch der Nachwuchs von Fischen, die natürlicherweise ihren Weg zurück den Rhein hinauf gefunden haben. In einem Festakt, zu dem der Landesfischereiverband als Träger des Lachsprogrammes am Samstag eingeladen hatte, wurde den zahlreichen Helfern aus 28 Angelvereinen gedankt, die mit über 2.000 Arbeitsstunden den Wiederaufbau der Anlage ermöglicht hatten. Vor allem das Lob der anwesenden hochrangigen Vertreter des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums tat den Anglern sichtlich gut.
Wolfgang Reuther, der Präsident des Verbandes, begrüßte über 120 geladene Gäste aus Baden-Württemberg, Frankreich und der Schweiz. „Mit der Lachszucht haben wir so Einiges vor, nicht nur die Etablierung eines Elterntierbestandes", so Reuther. „Der Lachs bietet große Chancen in der Umweltpädagogik." Die Vision des Präsidenten reicht dabei von Schulklassenführungen über Ausstellungen bis hin zu Schulungsangeboten in dem zur Lachszucht gehörenden malerischen Schwarzwaldhaus.
Bürgermeister Jürgen Nowak ist stolz, nun Lachse in Oberwolfach eingemeinden zu können. Eine Attraktion, die gut zum Wolf- und Bärenpark im Wolfachtal passe. Ministerialdirigent Peter Fuhrmann vom Ministerium für Umwelt und Verkehr zollte in seinem Grußwort dem Geleisteten Respekt. Er wies auf die Aufgabe des Landes hin, die Gewässer wieder in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. „In den ausgewiesenen Programmgewässern muss der Lachs gute Bedingungen vorfinden, damit er sich bei uns wieder wohl fühlt. Hierzu zählt der Erhalt der vorhandenen frei fließenden Gewässerstrecken." Fuhrmann wies auch auf die schon geleistete Arbeit der Wasserwirtschaftsverwaltung hin, die bereits vor vielen Jahren mit der Renaturierung der Gewässer begonnen habe. „Als ein Ergebnis dieser Arbeit, wird das Kinzigsystem voraussichtlich schon in etwa zwei Jahren wieder für Fische durchgängig sein". Hinsichtlich bestehender Nutzungskonflikte betonte der Abteilungsleiter des UVM, die Notwendigkeit von Einzelfallbetrachtungen.
Ministerialdirigent Joachim Hauck vom Landwirtschaftministerium lobte insbesondere die gewohnt anpackende Initiative in der Fischerei. „Was hier erreicht wurde, ist beispielhaft für ehrenamtliches Engagement. Dabei leistet die Fischerei einen sehr wertvollen Beitrag zum Gewässer- und Fischartenschutz. Natürlich ist der Atlantische Lachs eine Art Leuchtturm", so Hauck, „jedoch kommen die Verbesserungen der Gewässer allen aquatischen Organismen zugute. Baden-Württemberg hat in ein Deutschland eine besondere Verantwortung für den Lachs, da rund ein Viertel der Wiederansiedlungskapazitäten am Rhein in Baden-Württemberg liegt". Hauck ist zuversichtlich, dass er bei weiterem Projektfortschritt mit seinen Enkeln noch in größerer Zahl aufwandernde Lachse an Kinzig und Murg beobachten könne. Immerhin sei das Wasser in unseren Gewässern ein besonders hohes Gut, das für nachfolgende Generationen geschützt werden müsse.
Die Verbindung von Wasserqualität und Gewässerökologie hat auch die Hansgrohe AG zur Unterstützung der Lachswiederansiedlung motiviert. Der bekannte Bad- und Sanitärspezialist mit Stammsitz an der Kinzig fördert das Programm und hat bereits mehrere Besatzaktionen organisiert. Für die Hansgrohe AG ist es ein Anliegen, geschäftlichen Erfolg mit umweltfreundlichen Produkten nachhaltig zu gestalten. Vorstandsmitglied Otto Schinle berichtete den anwesenden Gästen, wie er von Stephan Stäbler, dem Wanderfischbeauftragten des Landesfischereiverbandes, für den Aufbau einer Lachszuchtanlage „geködert" wurde. Schinle konnte sich vor Beginn der Arbeiten an der brachliegenden Fischzucht nur schwer vorstellen, dass dort wenige Monate später Lachse schwimmen könnten. Er gratulierte Stäbler zu dieser herausragenden Leistung und motivierte ihn und alle Helfer für künftige Arbeiten mit der Übergabe eines Schecks in Höhe von 5.000 Euro.
„Die Anlage war in der Tat in einem desolaten Zustand", bestätigte Stephan Stäbler. Er bedankte sich ausdrücklich bei Hansgrohe sowie allen Anglerkollegen und Helfern, die ihn in den letzten Monaten unterstützt haben. Gleichzeitig bat er um weitere Unterstützung, da dieses Projekt auf vielen Schultern getragen werden müsse und es in den nächsten Jahren noch viel zu tun gebe.
Im Anschluss an die Ansprachen folgten Führungen auf der Anlage, bei denen sich die Gäste von der vollbrachten Leistung persönlich überzeugen und Lachse direkt beobachten konnten. Künftig sollen in der Anlage „Wolftal" Elterntiere aus zurückkehrenden Rheinlachsen gehalten werden, um Nachwuchs zu erzeugen, der jährlich in die Programmgewässer Baden-Württembergs eingesetzt werden kann. Hier und in einer Kooperationsanlage des französischen Fischereiverbandes im Elsass sollen zukünftig etwa 1 Millionen Lachseier erbrütet werden. Dies soll so lange geschehen, bis die Gewässer ausreichend renaturiert und die Lachsbestände so weit aufgebaut sind, dass der Besatz allmählich wegen der zunehmenden natürlichen Fortpflanzung zurückgefahren und schließlich eingestellt werden kann. Der weitere Fortschritt des Lachsprogramms kann auf der Homepage der gemeinnützigen Gesellschaft „Wanderfische Baden-Württemberg", kurz WFBW unter der Internetadresse www.wfbw.de verfolgt werden. Für weitere Informationen stehen der Landesfischereiverband Baden-Württemberg und der Beirat der WFBW gerne zur Verfügung.
Landesfischereiverband Baden-Württemberg e.V
Dr. Roland Grimm
Geschäftsführer
Reitzensteinstraße 8
70190 Stuttgart
Tel. 0711-870309-6
Wanderfische Baden-Württemberg gGmbH
Stephan Stäbler
Beirat und Leiter der Lachszuchtanlage
0177-7748820

